Tjarda - Blutiges Djinn (Folge 2: Unter der Stadt)



Heute gibt es Folge 2 von Tjarda und ihr erfahrt ein wenig mehr über sie und ihr Leben. Außerdem gibt es ein paar Infos zu Ocean und Onkel Benny. Viel Spaß beim Lesen :-)

 



Episode 1 - Folge 2: Unter der Stadt

Wenn es darauf ankommt, sind bloß zwei Komponenten wichtig:
Zeit und Fitness.
Niemand kann dir helfen, wenn du deinen dicken Arsch die nächste Mauer nicht
hochbekommst.
(Trainer Stan)



Mein Vater hat sich immer gewünscht, dass ich ein Junge werde. Man erzählte mir, kurz nach meiner Geburt, wäre er eine geschlagene Woche nicht aus der Schenke eine Straße weiter zurückgekehrt, mit dem Wunsch seinen Frust über die Geburt einer Tochter in dem scharfen Höllenzeug zu ertränken, das sie Snarg nennen. Doch als er zurück zu meiner Mutter kam, war er nicht mehr wütend, sondern auf einmal vollkommen klar. Er hat sie angelächelt und zu ihr gesagt: Unsere Tochter wird eine Kämpferin und zwar die Beste von allen. Selbst die obersten Familien werden sie einst fürchten.


Tjarda kletterte an der letzten Containerreihe herunter. Die Muskeln in ihrem Bauch spannten sich an, ebenso wie die in Armen und Beinen. Dieser Teil ihrer Arbeit hatte noch nie ein Problem dargestellt. Sie war fit, trainierte jeden Tag hart und das zahlte sich letztendlich aus. Tjarda landete auf dem weichen Boden hinter der Siedlung. Der ehemalige Hafen lag auf einer Erhebung, sodass sie von ihrem Standpunkt aus hinab auf den Kern von Ocean blickte.
Über sich meinte sie die Rufe ihrer Verfolger zu hören. Doch vielleicht war das auch nur Einbildung. Der Duft des Hafens brannte sich bei jedem tiefen Atemzug in ihre Lungen. Scharf und beißend, überlagerte fast den menschlichen Gestank. Tjarda war froh, dass sie diesen Teil von Ocean fast hinter sich gelassen hatte. Die Menschen mochten hier zwar immerhin ein Dach über den Kopf haben, doch eben dieser Umstand zog die Leute an wie Ratten. Oder vielleicht eher, Menschen, die sich wie Ratten benahmen? Doch das sollte nun keine Rolle mehr spielen. Sie hatte was sie wollte. Dieser Devin war tatsächlich noch dämlicher gewesen, als sie gedacht hätte. Einmal mehr sehnte sie sich nach einer richtigen Herausforderung.
Hinter dem Hafen und der Containersiedlung befand sich nichts. Bloß dunkelbrauner Boden, der einst wohl mal begrünt gewesen war. Jetzt ließ das Gift, das die Erde an dieser Stelle verseucht hatte, kein Wachstum mehr zu. Egal, was die Leute sagten, Tjarda empfand die Containersiedlung und die Umgebung als den trostlosesten Ort von allen. Jedes Leben hier, sei es Mensch oder Tier, wirkte irgendwie falsch. Als hätten sich die Überlebenden bewusst den menschenfeindlichsten Ort im Umland von Ocean ausgesucht, nur um ihm zu trotzen.
Sie beschleunigte ihren Schritt und rannte über die weite Fläche, die zwischen dem Kern von Ocean und der Siedlung lag. Schon früher hatte der Hafen etwas abseits der Metropole gelegen und so war es auch heute noch. Trotzdem gehörte die Containersiedlung zu Ocean, da änderte auch der giftige Boden der den Kern vom Hafen trennte nichts daran. In der Ferne zeichneten sich die Ruinen der ehemaligen Stadt ab. Nichts als leerstehende, größtenteils verfallene Gebäude in denen sich Pack rumtrieb. Kein Lebensraum, bloß Erinnerungen, die man anfassen konnte. Das ehemalige Notversorgungslager vor der Stadt, war zur neuen Unterkunft der Menschen herangewachsen. Sie nannten es Ocean. Ein eingezäunter Bereich, in dem die weißen Großraumzelte des Notfallrettungsdienstes noch immer das Zentrum bildeten. Mit der Zeit hatten sich nach und nach viele kleinere Zelte und provisorische Unterkünfte hinzugesellt und der Bauzaun hatte der Neubevölkerung immer weiter weichen müssen. Wenn man auf der Anhöhung vor der Stadt stand und auf die Zeltstadt hinabsah, sah es aus wie ein Meer aus verschiedenfarbigen Stofffetzen. Daher der Name. Wenig kreativ, aber einprägsam.
Tjarda hatte einmal gehört, dass die Überlebenden versucht hätten die Stadt wieder aufzubauen. Doch der Rohstoffmangel und die Mutlosigkeit der Menschen hatte das Projekt scheitern lassen, bevor es richtig begonnen hatte. Die Trauer und der Schmerz hatten tatsächlich wie eine Seuche um sich gegriffen und alles infiltriert, was sie zu fassen bekommen hatten.
Der Eingang zur Kanalisation lag genau zwischen Containersiedlung und Ocean. In der Ferne sah es lediglich aus wie ein grasbewachsener Hügel. Erst wenn man sich näherte, erkannte man den dunklen Eingang in der Vertiefung. Das Gitter, welches den Zugang einst versperrte, lag rostig und halb versunken im Matsch daneben. Tjarda ging auf die Knie und kroch in den etwa hüfthohen Tunnel. Stinkender Schlamm tränkte ihre Jeans. Sie rümpfte die Nase, als sie die kühle Feuchtigkeit spürte und den herben Geruch einatmete. Es gab bessere Zugänge, doch dieser hier lag nun mal am nächsten zu ihrem Ziel.
Der viereckige Tunnel führte etwa sechs Meter gerade unter der Erde entlang, bis er an einem Loch endete. Über eine rostige Leiter gelangte man in die Kanalisation. Als Tjarda das Ende des Ganges erreichte, hüllte sie die Dunkelheit fast vollständig ein. Nur spärlich drang das Licht des Eingangs bis zu ihr vor. Routiniert ertastete sie ihre Taschenlampe in dem Riss im Beton, wo sie sie in den frühen Morgenstunden verstaut hatte. Vorbereitung war das A und O, hatte Onkel Benny immer gesagt. Tjarda schob sie unter den Träger ihres Tops und rutsche an die Leiter. Die Sprossen knarrten protestierend als sie hinabstieg. Wie immer, wenn die Dunkelheit sie einhüllte, fühlte sie sich fast geborgen. Der Gestank der ausgetrockneten Abwasserkanäle schlug ihr entgegen. Als sie mit ihrem Fuß das Ende der Leiter erreichte, lächelte Tjarda. Trautes Heim. Sie griff nach ihrer Taschenlampe, schaltete sie ein und ließ den Lichtkegel durch den Tunnel gleiten. Eine Ratte floh aus der Helligkeit. In dem Becken wo früher noch die Exkremente der Stadt entlanggeflossen waren, war jetzt nicht mehr als ausgetrockneter, stinkender Boden.
Tjarda wandte sich nach rechts. Sie kannte das unterirdische Labyrinth besser als alles, was an der Oberfläche lag. Die menschenleeren Gänge waren ihr vertraut und die Stille hatte etwas heimeliges. Auch wenn dieses Wort, mit den von Versorgungsleitungen gespickten Kanälen nicht konform gehen wollte. Zumindest hatte Onkel Benny das immer gesagt. Für sie war es der einzige Ort, der mit so etwas wie einem Zuhause gleichzusetzen war.


Das Lager der Untergrundhändler befand sich an jener Stelle kurz vor der alten Stadt, wo sich das Abwasser in die verschiedenen Straßenzüge aufgeteilt hatte. Sämtliche Leitungen, Rohre, Gänge trafen sich hier und so war der Punkt von zahlreichen Stellen zu erreichen. Für die Menschen, die hier lebten, bedeutete das vor allem eins: viel Platz. Es gab insgesamt vier große Räume, die unmittelbar ineinander übergingen. Der erste war der, in den alle anderen Gänge mündeten. Sie nannten ihn den Marktplatz. Zeitgleich war er der Größte von allen und somit auch der, wo sich alle tagsüber aufhielten. Allein jetzt befanden sich mindestens dreißig Untergrundhändler hier. Die Leute aus Ocean bezeichneten sie als gefährliches Gesindel, für Tjarda waren diese Menschen ihre Familie. Sie saßen an Tischen zusammen, spielten Kartenspiele oder würfelten um ihr Glück. Einige erzählten lautstark von ihrem letzten Auftrag. Hier und da erntete sie ein Grinsen, als sie an einer Gruppe vorbeiging oder ein flüchtiges Nicken. Wenn man sie so betrachtete, dann mussten sie für Außenstehende tatsächlich gefährlich wirken: bis unter die Zähne bewaffnet, groß, massive Statur und laute Stimmen. Doch das faszinierende waren ihre Augen. Man sah einem Menschen einfach an, wenn wer einem anderen Leben bewusst ein Ende gesetzt hatte. Es gab hier kein einziges Augenpaar, das etwas anderes ausstrahlte. Bis auf ihres vielleicht. Doch Tjarda war ohnehin ein Sonderfall.
Drei Stände waren aufgebaut worden. An dem einen schwang Kari, die Köchin, ihren Löffel und zauberte jeden Tag auf neue die leckersten Rattenragouts oder Bratnager. Die Schmackhaftigkeit dieser Spezialitäten war diskussionsbedürftig, doch da Kari eine beeindruckende Rechte hatte, wagte das niemand. Tjarda nickte ihr kurz zu als sie an dem Tisch vorbeiging. Auf der einzelnen Herdplatte stand ein viel zu großer Topf, unter dessen Gewicht sich der Tapeziertisch gefährlich durchbog. Der Geruch, der darüber aufstieg, war gewöhnungsbedürftig.
„Na, Tjarda? Hunger?“, raunzte die untersetzte Frau mit den fettigen Haaren.
„Später vielleicht“, entgegnete Tjarda und setzte ein schräges Grinsen auf. Sie hatte in dem Hafenviertel bereits, wohl wissend was sie hier erwartete, eines der Maisbrote erstanden und vor dem Auftrag verspeist.
„Hey Finn“, sagte sie, als sie am nächsten Stand vorbeistreifte. Der Junge mit der verwuschelten Kurzhaarfrisur zuckte leicht zusammen und errötete dann. Er hatte den Stand von seinem Vater übernommen. Der Waffenhändler hatte sich beim Bau eines Sprengsatzes selbst in die Luft gejagt und war so vor drei Jahren von ihnen gegangen.
„Tjarda … wie geht es dir?“, fragte er stammelnd. Sein Gesicht war nun genauso rot, wie das T-Shirt das er trug.
Sie grinste. Natürlich wusste sie von der kleinen Schwärmerei, die Finn für sie entwickelt hatte. Sie waren miteinander groß geworden und altersmäßig trennten ihn von ihr nur zwei Jahre. Dennoch hatte sie kein Interesse an dem verunsicherten Jungen, der regelmäßig Gefahr lief auf dieselbe tragische Weise wie sein Vater zu enden. „Bestens, Finn.“ Sie zwinkerte ihm zu und beobachtete zufrieden wie er nach Luft schnappte.
Der letzte Stand war der Entscheidende, ihr Lebensmittelpunkt. Zumindest für die meisten von ihnen. Tjarda blieb kurz vor dem Tapeziertisch stehen und ließ ihren Blick über die Auslage schweifen, starrte kurz dahinter an die Pinnwand mit den Steckbriefen und Kopfgeldern. Eigentlich wollte sie gerade weitergehen – bevor sie sich wieder Ärger einhandelte – als ihr Blick an einem der Fotos hängenblieb. Devin. Der Typ, dem sie die Liste abgenommen hatte. Auf seinen Kopf waren tausendzweihundert Einheiten angesetzt. Irrsinn. Wie konnte ein kleiner Drogendealer, der lediglich das Twalley sein Eigen nannte, so eine Summe einbringen? Sie trat etwas näher an den Tisch, um das Kleingedruckte darunter zu lesen. Tod oder lebendig. Devin Lancaster, gesucht von der Maracesh-Familie. Tjarda hob die Augenbrauen. Interessant. Die Maracesh-Familie war eine der größten in ganz Ocean. Niemand, den man gegen sich aufbringen sollte. Der Steckbrief war unter den Punkt „Spezialaufträge“ gepinnt. Alles was dort hing, durfte nur nach Absprache mit Onkel Benny angenommen werden.
„Tjarda, du weißt doch, dass du hier nichts zu suchen hast.“ Mark baute sich mit verschränkten Armen vor dem Steckbrief auf und nahm ihr die Sicht.
„Ich schaue ja nur“, knurrte sie.
„Benny macht dich einen Kopf kürzer, wenn er dich schon wieder hier erwischt. Du bekommst deine Aufträge ausschließlich ...“
„... von Onkel Benny“, vollendete Tjarda den Satz und warf dem brünetten Hünen einen gereizten Blick zu.
Er zuckte mit den Schultern. „Wenn du das weißt, was machst du dann noch hier?“
Wütend wandte Tjarda sich von dem Stand ab. Wie gerne würde sie sich ihre Aufträge einfach selbst aussuchen. Ihren eigenen Lohn verdienen und den Schwierigkeitsgrad ihrer Aufgaben selbst bestimmen. Und vielleicht endlich den Bastard finden, der ...
Schlecht gelaunt verließ sie den Markplatz und durchlief den Schlafsaal, der daran angrenzte. Direkt dahinter befanden sich ihr Lager und im letzten Raum das Büro ihres Onkels. Sie nickte Jeff, dem Lageristen knapp zu, als sie durch den Raum mit den Regalen lief und stand schließlich vor Bennys Arbeitszimmer. Sie atmete durch und trat durch die Tür, die eigentlich nur aus einem Vorhang bestand. Dieser Raum hier war kleiner und die Wände unter den Rohren und Versorgungsleitungen kaum noch zu erkennen. Das Zentrum bildete ein großer Schreibtisch, daneben stand ein Aktenschrank. Mehr gab es hier nicht. Zumindest fast nichts. Onkel Benny musterte sie über den Rand seiner Lesebrille hinweg.
„Erfolgreich?“
„Natürlich“, murmelte sie, noch immer schlecht gelaunt und ließ sich auf den Klappstuhl fallen, der Benny gegenüberstand. „War ja keine besonders große Herausforderung.“
Onkel Benny war füllig, was wohl daran lag, dass er diesen Ort kaum verließ. Er hatte kaum noch Haare auf dem Kopf und die wenigen waren bereits ergraut. Genau wie seine imposanten Augenbrauen, die hinter vorgehaltener Hand für reichlich Gesprächsstoff sorgten. Benny streckte ihr seine Hand entgegen und blickte sie erwartungsvoll an.
„Wofür brauchst du sie eigentlich?“
„Was?“
„Na, die Liste.“
Benny seufzte, zog seine Hand zurück und sank leicht in sich zusammen. „Wir haben das doch schon so oft besprochen. Es gibt Dinge, über die weißt du besser nur das Nötigste.“
„Ich lasse mich nicht länger von solchen Antworten abspeisen, ich bin alt genug. Du willst, dass ich ausschließlich für dich arbeite? Gut. Aber dann will ich auch wissen, was ich da mache.“ Sie schlug mit der Faust auf den Tisch.
Benny schaute sie unbeeindruckt an. Er kannte ihr Temperament genau, er kannte sie genau. „Nein.“
„Einfach nein?“
„Gib (mir?) die Liste.“
Sie fixierten sich eine Weile wütend und schließlich schnaubte Tjarda resigniert. Sie stand auf, holte das Stück Papier aus ihrer Hosentasche und reichte es Benny.
„Braves Mädchen.“
Sie stieß ein unwilliges Knurren aus und ließ sich wieder auf den Stuhl fallen. Sie beobachtete Benny dabei wie er stirnrunzelnd das Blatt musterte. „Gut, gut ...“, murmelte er.
„Wie kommt es eigentlich, dass auf diesen … Devin … ein so horrendes Kopfgeld ausgesetzt ist?“
Der Blick ihres Onkels war finster und eindringlich. „Ich habe dir gesagt, dass du bei Mark nichts zu suchen hast.“
Tjarda stieß schnaubend Luft aus. „Und warum?“
„Tjarda … diese Frage haben wir doch nun zu genüge geklärt oder? Dein Vater – Gott habe ihn selig – würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste, dass du überhaupt hier unten haust. Eigentlich sollte ich dich nach Ocean zu deiner Tante und deinen Cousinen schicken. Das mache ich aber nicht, weil ich weiß, dass du ein verdammter Sturkopf bist und ohnehin wieder jeden Tag hier vor mir stehen würdest. Das hast du im Übrigen von deinem Vater, genau wie so vieles anderes, was mich in den Wahnsinn getrieben hat.“ Er fuhr sich durch das spärliche Haar. „Wenn deine Mutter mitbekommen würde, dass ich dich als Unterhändlerin arbeiten lasse ….“
„Aber das tue ich doch gar nicht“, knurrte sie. „Ich mache lediglich alberne Botengänge für dich.“
„Richtig. Und das ist schon schlimm genug.“
„Warum hast du mich dann überhaupt ausgebildet?“ Es war eine Endlosdiskussion, das wusste sie selbst und dennoch. Aufzugeben war keine Option, das wäre als würde sie sich zufrieden geben. Allein der Gedanke trieb ihre Wut an.
Benny wirkte auf einmal müde. Er nahm sich die Lesebrille von der Nase und rieb sich über die Augen. „Ich bin deinem Wunsch nachgekommen dich auszubilden, weil du lernen musstest dich zu verteidigen und weil du ein verdammter Quälgeist bist ...“
Sie erhob sich so ruckartig, dass der Stuhl nach hinten umkippte. „Das bedeutet, du wirst mir nichts über Devin sagen und was er mit der Maracesh-Familie zu tun hat?“
„Nein.“ Onkel Bennys Miene wurde hart.
„Auch, wenn du genau weißt, dass das eben die Familie ist, die meine Eltern umgebracht hat?“ Ihre Hände ballten sich zu Fäusten.
„Allein das ist das beste Argument dir nichts zu sagen.“
„Aber wenn dieser Devin wirklich so viel wert ist, dann könnte er der Schlüssel sein. Über ihn könnte ich endlich an die innere Riege kommen und ...“
„Ich habe dir schon unzählige Male gesagt, dass du das vergessen musst. Diejenigen, die dafür verantwortlich sind, bekommen ihre gerechte Strafe. Da sorge ich höchstpersönlich für, immerhin habe auch ich meinen Bruder und meine geliebte Schwägerin gestorben. Du musst mir vertrauen, Tjarda.“ Er sah sie bittend an.
Tjarda schüttelte den Kopf. Tränen der Wut stiegen ihr in die Augen, doch sie blinzelte sie fort.
„Was ist die oberste Regel, die ich dir beigebracht habe?“, fragte er eindringlich. Seine blauen Augen schienen sie zu durchleuchten und genau zu wissen, was in ihr vorging.
„Lass deine Entscheidungen nicht von Emotionen lenken.“ Die Worte kamen gepresst zwischen ihren Lippen hervor.
Onkel Benny nickte genügsam. „Und Rachegefühle sind mächtige Emotionen, Tjarda. Sie lassen uns vorschnell handeln und Fehler machen. Doch in unserem Job, in diesen Zeiten, haben wir keinen Fehlerspielraum. Es wird der Tag kommen, da wirst du das verstehen.“
Sie antwortete ihm nicht, sondern wandte ihm den Rücken zu und stampfte wuterfüllt durch den Vorhang nach draußen. Wenn Onkel Benny ihr nicht helfen wollte, dann würde sie eben allein einen Weg finden. Die Zeit war gekommen und dieser Devin eine perfekte Möglichkeit. Es wäre dumm sie auszuschlagen.


Fortsetzung folgt …
©Katharina Groth/2016 unlektorierte Fassung

Kopien des Textes oder Auszüge nur mit schriftlicher Erlaubnis der Autorin

Kommentare

  1. Nach dem lesen stellt sich mir nur eine Frage: Wann geht es weiter?! :-D
    Ich find Tjarda schon jetzt ne ziemlich coole Socke und bin gespannt, was noch alles passiert und vor allem was es mit ihrem Onkel und der Weigerung zu tun!
    Sehr sehr geil!!
    LG
    Juliane <3

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